WETSCAPES2.0 ist der von der DFG geförderte Sonderforschungsbereich/Transregio 410. Im Mittelpunkt stehen wiedervernässte Niedermoore in Mecklenburg-Vorpommern, die sich nach jahrzehntelanger Entwässerung zu neuartigen Ökosystemen entwickeln: sogenannten „Wetscapes 2.0“.
Das 68-köpfige, interdisziplinäre Forschungskonsortium untersucht, wie sich hydrologische, biogeochemische und ökologische Prozesse in diesen Moorlandschaften verändern und räumlich wie zeitlich miteinander verknüpft sind – innerhalb der Moore und über Landschaftsgrenzen hinweg. Dazu kombiniert WETSCAPES2.0 Chronosequenzen, intensive Feldforschung, Landschaftsexperimente, Mesokosmenstudien und prozessbasierte Modellierung. Ziel ist es zu verstehen, wie Wiedervernässung Stoffflüsse, Biodiversität und Klimaeffekte beeinflusst.
Die Ergebnisse schaffen ein funktionales Verständnis neu entstandener Moorlandschaften. Sie liefern eine wissenschaftliche Basis für politische Entscheidungen und praktische Maßnahmen – von nachhaltigem Moormanagement bis hin zu Wiedervernässungsstrategien im Rahmen der EU-Klimaschutzziele, auch unter zukünftigen Szenarien wie Paludikultur oder Renaturierung.

Sprecher*innen des SFBs
Prof. Dr. Jürgen Kreyling
Prof. Dr. Nicole Wrage-Mönnig
Wissenschaftliche Koordination
Neueste Publikation
Agriculture on wet peatlands: the sustainability potential of paludiculture
Temmink RJM, Lång K, Vroom RJE et al. (2026), Agricultural Systems, 231, 104561.
Neues aus dem Sonderforschungsbereich
WETSCAPES2.0 zahlreich auf der EGU 2026

07.05.2026 – Die General Assembly der European Geosciences Union (EGU) in Wien hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten internationalen Treffpunkte für die Moorforschung entwickelt. Mit einer wachsenden Zahl moorbezogener Sessions bot die Konferenz unseren Forschenden vielfältige Möglichkeiten zum Austausch innerhalb der Moor-Community und mit Forschenden anderer geowissenschaftlicher Disziplinen.
Das WETSCAPES2.0-Team beteiligte sich mit vielfältigen Beiträgen zur Ökohydrologie wiedervernässter Moore, Klima-Rückkopplungen, Treibhausgasdynamiken sowie zum Monitoring und zur Restaurierung von Mooren.
Die Vorfreude auf die EGU 2027 ist bereits groß: Dann sollen erste Ergebnisse aus WETSCAPES2.0 präsentiert werden – unter anderem in der Session „Paludiculture, Peatland Restoration and Peatland Management“, die von Franziska Tanneberger mitorganisiert wird, sowie in weiteren Fachsessions.
Klassenzimmer im Moor: Citizen Science-Projekt CiFly im Anklamer Stadtbruch
05.05.2026 – Moore als Forschungsgegenstand im Klassenzimmer und im Gelände! Im Citizen-Science-Projekt CiFly setzten sich Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums Greifswald gemeinsam mit Forschenden mit Fragen der Biodiversität und des Vorkommens antimikrobiell resistenter Bakterien auseinander. WETSCAPES2.0 begleitete den diesjährigen Schwerpunkt des CiFly-Projekts zu Mooren, u.a. durch Unterrichtsbeiträge von Prof. Dr. Gerald Jurasinski und die fachliche Koordination durch Dr. Kristin Steinfurth. Während eines Exkursionstages nahmen die Schüler systematisch eDNA-Abstriche auf wiedervernässten, entwässerten und paludikulturell genutzten Moorflächen im Polder Bargischow und dem Anklamer Stadtbruch, welcher eine Kern-Forschungsfläche in WETSCAPES2.0 ist.
Durch die Einbindung von Schüler*innen trägt dieses Projekt dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse über Moore in die Gesellschaft zu vermitteln und junge Menschen für Forschung, Klima- und Naturschutz zu begeistern. Gleichzeitig eröffnet es den Teilnehmenden die Möglichkeit, wissenschaftliche Methoden kennenzulernen und eigene Forschungsfragen zu entwickeln.
Mehr lesen: Die vollständige Pressemitteilung des Helmholtz-Instituts für One Health finden Sie hier.
3000 Jahre in die Vergangenheit bohren: Exkursion im Polder Sandhagen
23.04.2026 – Gemeinsam mit dem Projekt Paludi-MV begrüßten wir rund 20 Teilnehmende aus Landwirtschaft, Verwaltung, Umweltverbänden und der lokalen Bevölkerung zu einer Exkursion in den Polder Sandhagen. Das Gebiet ist derzeit ein entwässertes und stark degradiertes Moor. In den kommenden Jahren soll es schrittweise wiedervernässt und durch Paludikultur – die produktive Nutzung nasser Moore – bewirtschaftet werden.
Prof. Dr. Jürgen Kreyling (Universität Greifswald) und Dr. Ines Standfuß (Universität Rostock) stellten die Forschung am Standort vor und führten die Teilnehmenden zu verschiedenen Messstationen. Seit Beginn des Jahres werden dort Daten zu Wasserständen, Bodenfeuchte, mikroklimatischen Bedingungen und Treibhausgasemissionen erhoben. Die Messungen sollen dazu beitragen, die Veränderungen während der Wiedervernässung besser zu verstehen und so Erkenntnisse für zukünftige Projekte zu gewinnen.
Ein besonderer Programmpunkt war die Entnahme eines rund zwei Meter langen Torfkerns. Schicht für Schicht legte er fast 3.000 Jahre Moorgeschichte offen. Im Torf erhaltene Pflanzenreste ermöglichten Einblicke in die frühere Vegetation, während die unterschiedlichen Schichten zeigten, wie sich das Gebiet im Laufe der Zeit verändert hat und welche Auswirkungen die Entwässerung auf das Moor hatte.
Ebenso wertvoll wie die Feldvorführungen waren die Gespräche vor Ort. Die Teilnehmenden teilten eigene Erfahrungen und Erinnerungen an den Polder und brachten damit lokales Wissen und historische Perspektiven in den wissenschaftlichen Austausch ein. Ein Landwirt berichtete beispielsweise, dass die Flächen vor Jahrzehnten per Flugzeug gedüngt wurden – ein Detail, das möglicherweise dabei helfen wird, die Geschichte und die Messdaten des Standorts besser einzuordnen.
Auch wenn das Monitoringprogramm noch am Anfang steht und belastbare Ergebnisse Zeit benötigen werden, zeigte das Interesse und der lebhafte Austausch bereits, wie wertvoll der Dialog zwischen Forschung und Praxis ist. Der Anlass für eine weitere Exkursion steht also bereits fest.
Alle Neuigkeiten und Aktivitäten des SFB WETSCAPES2.0
…finden Sie auf einen Blick im Nachrichten-Archiv








