Vortragsreihe "Neue Moorlandschaften"

 

Am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald fand im Wintersemester 25/ 26 die öffentliche Vortragsreihe “Neue Moorlandschaften: Erforschen, Entwickeln, Erleben” statt. 

Die Vorträge sind aufgezeichnet in der Mediathek des Kollegs abrufbar. 

 

Wie entstehen neue Moorlandschaften – und welche Chancen bieten sie für Klima, Biodiversität und nachhaltige Landnutzung?

In sechs Abendvorträgen geben Forscher*innen aus Greifswald, Rostock, Aarhus, München, Berlin und Jena Einblicke in aktuelle Ergebnisse und Perspektiven der Moorforschung – von der Torfbildung über Nährstoffkreisläufe und Nahrungsnetze bis hin zu Fragen des Klimaschutzes und der praktischen Umsetzung von Wiedervernässungsmaßnahmen.


Moorlandschaften 2.0 – Was ist das und wie funktionieren sie?

Eröffnung der Vortragsreihe durch Professor Dr. Jürgen Kreyling (Universität Greifswald, Institut für Botanik und Landschaftsökologie) Vortrag anhören.

Moorlandschaften, die durch wassergesättigte Moore gekennzeichnet sind, bieten wichtige Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffspeicherung, Hochwasserschutz und Lebensraum. Über Jahrhunderte wurden Niedermoore entwässert, was zu ökologischen Schäden führte. Um Klimaziele zu erreichen, muss die Wiedervernässung von Mooren erfolgen. Dabei entstehen allerdings neuartige Ökosysteme. Der Sonderforschungsbereich WETSCAPES2.0 untersucht diese Moorlandschaften 2.0 mit einem interdisziplinären Ansatz. Ziel ist es, das Funktionieren und die Auswirkungen der Wiedervernässung zu verstehen. Wie wir dabei vorgehen, erfahren Sie bei diesem Vortrag.

Jürgen Kreyling ist Professor für Experimentelle Pflanzenökologie an der Universität Greifswald. Er ist Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs WETSCAPES2.0 und Mitglied im Leitungsausschuss des Greifswald Moor Centrum. Die Reaktion von Ökosystemen auf den globalen Wandel erforscht er mit Hilfe von Experimenten auf verschiedenen Skalen – von kontrollierten Laborversuchen in Klimakammern über Topfexperimente, Mesokosmenexperimente, Freilandexperimente bis hin zu Freilandbeobachtungen.


Wer isst wen in wiedervernässten Mooren?

Dr. Tjorven Hinzke (Universität Greifswald, Institut für Mikrobiologie) Vortrag anhören.

Wiedervernässte Moore sind neuartige Ökosysteme: Neue Pflanzengemeinschaften entstehen, neue Prozesse im Boden etablieren sich. Zentral dafür, was in einem wiedervernässten Moor im Großen passiert, sind Prozesse im ganz Kleinen: Pflanzen fixieren Kohlenstoffdioxid über Photosynthese, dabei helfen ihnen Mikroorganismen. Totes Pflanzenmaterial wird von Mikroorganismen zersetzt – oder eben nicht (vollständig) wenn ein Moor wieder nass ist: Der wieder hohe Wassergehalt führt zu Sauerstoffabschluss, womit viele Mikroorganismen nicht umgehen können. Durch das Fehlen von Sauerstoff können wiederum Mikroorganismen wachsen, für die Sauerstoff giftig ist, und die andere Endprodukte in ihrer Verdauung bilden. Diese Prozesse und was sie für wiedervernässten Moore bedeuten, untersuchen wir im Verbundprojekt WETSCAPES2.0.

Während ihrer Doktorarbeit zu Interaktionen zwischen Wurm-Wirt und bakteriellen Symbionten in einer Tiefseesymbiose arbeitete Tjorven Hinzke an den Universitäten Greifswald und Calgary, Kanada. Anschließend beschäftigte sie sich mit Pflanzenökologie in Mooren, mit mikrobiellen Gemeinschaften in Abwasser sowie – seit Kurzem – mit Pinguinmumien. Die seit 2024 bestehende Nachwuchsgruppe von Tjorven Hinzke will verstehen, welche Auswirkungen die Interaktionen von Mikroorganismen mit Pflanzen und Umweltbedingungen haben.


Bilden wiedervernässte Moore Torf? Wir finden es heraus!

Dr. Kristin Steinfurth (Universität Greifswald, Institut für Botanik und Landschaftsökologie) Vortrag anhören.

In natürlichen Mooren akkumuliert Torf und bindet Kohlenstoff. Die Entwässerung von Mooren führt zu einer kontinuierlichen und irreversiblen Veränderung des Torfes. Die Wiedervernässung entwässerter Moore stellt zwar die Wassersättigung des geschädigten Moorbodens wieder her, jedoch unterscheiden sich wiedervernässte Moore grundlegend von natürlichen, nie entwässerten Mooren. In diesem Vortrag werden die Unterschiede zwischen nie entwässerten und wiedervernässten Mooren untersucht und es wird aufgezeigt, dass auch in wiedervernässten Mooren Kohlenstoff gespeichert werden kann und wie dieses neu aufgebaute Material, Proto-Torf, identifiziert und quantifiziert werden kann.

Kristin Steinfurth studierte Agrarwissenschaften an der Universität Rostock und Landschaftsökologie und Naturschutz an der Universität Greifswald. Sie promovierte 2025 an der Universität Rostock und ist seit April 2025 in der Arbeitsgruppe Moorforschung des Instituts für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald im Sonderforschungsbereichs WETSCAPES2.0 tätig. Ihre Forschungsgebiete umfassen Pflanzenernährung mit Fokus auf Phosphor-Verfügbarkeit sowie Torfneubildung nach Wiedervernässung und die Speicherung von Nährstoffen, Kohlenstoff und Wasser in Torf.


Die Revitalisierung von Mooren steht vor einem (lösbaren) Phosphorproblem

Professor Dr. Dominik Zak (Aarhus University, Department of Ecoscience) Vortrag anhören.

Bis langjährig entwässerte und intensiv genutzte Moore wieder einen naturnahen Zustand erreichen und ihre landschaftsökologischen Funktionen vollständig erfüllen, können Jahrzehnte vergehen. Ein wesentlicher Grund dafür sind die hohen Nährstoffüberschüsse im vererdeten Oberboden. Es werden drei Managementstrategien vorgestellt – Mahd, Oberbodenabtrag und schrittweise Vernässung –, die einzeln oder auch in Kombination angewendet werden können, um die ursprünglichen Moorfunktionen schneller wiederherzustellen und gleichzeitig potenzielle Nebeneffekte wie die Freisetzung klimarelevanter Treibhausgase oder Nährstoffe zu minimieren.

Dominik Zak arbeitet in einer Wetland-Forschergruppe am „Department of Ecoscience“ der Universität Aarhus und als Gastwissenschaftler am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Seine interdisziplinär ausgerichtete Forschung in Gewässern, Mooren und Flusssystemen konzentriert sich auf biogeochemische Prozesse und daran gekoppelte Nährstoffflüsse in der Landschaft. Aus dieser überwiegend anwendungsorientierten Forschung werden Empfehlungen und Maßnahmen abgeleitet zur Lösung von Herausforderungen des globalen Wandels, wie fortschreitende Gewässerbelastung, Artenverlust und Klimaschwankungen.


Mythen, Meinungen und Messdaten in der Moorhydrologie

Dr. Bärbel Tiemeyer (Thünen Institut, Institut für Agrarklimaschutz). Die Aufzeichnung folgt.

Moore bestehen zu bis zu 95 Prozent aus Wasser, aber dennoch dreht sich die Diskussion um Moore und Moornutzung häufig um Pflanzen, Torfe und Treibhausgase. Hydrologische Fragestellungen beispielsweise zur Wasserverfügbarkeit und zu Hochwässern werden dabei bisweilen stark vereinfacht dargestellt, aber dennoch kontrovers diskutiert. In meinem Vortrag werde ich zeigen, welche Prozesse für das Verständnis der Moorhydrologie wichtig sind, welche Überraschungen Messdaten mit sich bringen können und wieso eine Generalisierung auf Landschaftsebene so schwierig ist. 

Bärbel Tiemeyer studierte an der Universität Rostock Landeskultur und Umweltschutz und an der University of Newcastle upon Tyne (UK) Sustainable Management for the Water Environment. Nach einer Promotion zu Nährstoffausträgen aus künstlich entwässerten Einzugsgebieten an der Universität Rostock wechselte sie zum Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig und leitet dort die Arbeitsgruppe Moorforschung. Aufgaben der Arbeitsgruppe sind beispielsweise die Weiterentwicklung von Methoden für das deutsche Treibhausgasinventar und der Aufbau eines deutschlandweiten Moorbodenmonitorings im Offenland. Daneben konzentriert sich die Forschung auf das Verständnis von hydrologischen Prozessen, Bodeneigenschaften und Treibhausgasaustausch zur Weiterentwicklung, Modellierung und Bewertung von Landnutzungsoptionen für vernässte Moorböden. 


Moorlandschaften 2.0 – Wie kommen wir vom Wissen zur Umsetzung?

Diplom-Landschaftsökologin Sophie Hirschelmann (Greifswald Moor Centrum). Die Aufzeichnung folgt.

Die Anhebung der Wasserstände in entwässerten Mooren ist die beste Maßnahme zur Wiederherstellung ihrer vielfältigen Funktionen für Wasserrückhalt, Klimaschutz und Biodiversität. Dies ist längst bekannt, und die praktische Umsetzung von Wiedervernässung vielfach erprobt. Trotzdem sind etwa 90% der Moorflächen in Deutschland entwässert, und es besteht großer Handlungsbedarf. Wie kommen wir auf Moorflächen voran um unsere (inter-)nationalen Klima- und Wiederherstellungsziele zu erfüllen? Herausforderungen und Ansätze bestehen unter anderem bei effizienter Planung, schnelleren Genehmigungs-verfahren, der Lösung von Zielkonflikten in der Fläche sowie attraktiven Anreizen für Landwirt*innen und Eigentümer*innen. Der Vortrag gibt Einblicke in praktische Beispiele und Pilotvorhaben für Wiedervernässung und Nassbewirtschaftung und zeigt Hürden und Wege zur Umsetzung.

Sophie Hirschelmann ist seit 6 Jahren am Greifswald Moor Centrum tätig. Ihre Schwerpunkte liegen bei politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen für Moorklimaschutz sowie Planungsprozessen und Wissenstransfer. Sie koordiniert die Arbeitsgruppe Moor- und Klimaschutz Deutschland der Michael Succow Stiftung und arbeitet im Projekt MOOReturn – einem Modellvorhaben für Paludikultur in Mecklenburg-Vorpommern.